Gewerbe anmelden für Print on Demand

Anmeldung, Kleinunternehmerregelung und die EU-Falle, die viele übersehen.

Themenübersicht: Print on Demand in Deutschland starten
Miro Flemke

Von Miro Flemke, Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau

Aktualisiert am 02. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Für Print on Demand brauchst du eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt deiner Gemeinde — meist 15 bis 65 Euro, oft online möglich. Als Einzelunternehmer reicht das aus, eine GmbH ist am Anfang unnötig. Die Kleinunternehmerregelung kannst du nutzen, solange dein Umsatz im Vorjahr unter 25.000 Euro und im laufenden Jahr unter 100.000 Euro liegt.

Gewerbe anmelden für Print on Demand

Die Anmeldung selbst

Die Gewerbeanmeldung läuft über das Gewerbeamt deiner Gemeinde. Viele Städte bieten das inzwischen vollständig online an. Die Gebühr liegt je nach Kommune meist zwischen 15 und 65 Euro — eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht.

Als Tätigkeit reicht eine Beschreibung wie „Onlinehandel mit bedruckten Textilien". Du musst dich nicht auf ein Sortiment festlegen; eine zu enge Formulierung zwingt dich später nur zu einer Ummeldung.

Für Print on Demand brauchst du kein Handwerkskarte und keine besondere Erlaubnis. Du druckst nicht selbst — du handelst.

Einzelunternehmen reicht für den Start

Die Rechtsform ist am Anfang schnell entschieden: Einzelunternehmen. Es entsteht mit der Gewerbeanmeldung, kostet kein Stammkapital, keinen Notar und keine Bilanz. Du haftest dafür mit deinem Privatvermögen.

Bei Print on Demand ist dieses Risiko überschaubar, weil du keine Ware vorfinanzierst und keine langfristigen Verträge eingehst. Das ernsthafte Haftungsthema sind Urheber- und Markenrechte an deinen Motiven — und davor schützt dich auch keine GmbH, wenn du fremde Designs verwendest.

Kleinunternehmerregelung: die aktuellen Grenzen

Seit dem 1. Januar 2025 gelten neue Werte. Du kannst die Kleinunternehmerregelung nutzen, wenn beide Bedingungen zutreffen:

  • Dein Gesamtumsatz im Vorjahr lag bei höchstens 25.000 Euro
  • Dein Gesamtumsatz im laufenden Jahr liegt bei höchstens 100.000 Euro

Im Gründungsjahr gibt es kein Vorjahr — dann zählt allein, ob du unter der laufenden Grenze bleibst.

Neu und wichtig: Überschreitest du die 100.000 Euro, endet der Status sofort mit dem Umsatz, der die Grenze reißt. Früher galt er bis zum Jahresende. Wer das übersieht, weist bei den folgenden Verkäufen keine Umsatzsteuer aus und muss sie später aus eigener Tasche nachzahlen.

Wann sich die Regelung lohnt — und wann nicht

Sie lohnt sich, wenn du überwiegend an Privatkunden verkaufst. Dein Preis wirkt dann günstiger, weil keine Umsatzsteuer aufgeschlagen wird, und du sparst dir Voranmeldungen.

Sie lohnt sich nicht, wenn du hohe Vorleistungen einkaufst. Als Kleinunternehmer bekommst du keine Vorsteuer erstattet — bei nennenswerten Ausgaben für Werbung, Software oder Musterbestellungen kann der Verzicht auf die Regelung günstiger sein.

Die EU-Falle: 10.000 Euro Lieferschwelle

Der Punkt, der in Einsteiger-Ratgebern regelmäßig fehlt: Verkaufst du an Privatkunden in anderen EU-Ländern, gilt eine EU-weit einheitliche Lieferschwelle von 10.000 Euro netto pro Jahr. Alle EU-Umsätze werden zusammengerechnet.

Überschreitest du sie, wird die Umsatzsteuer im Land des Kunden fällig — mit dem dortigen Steuersatz. Statt dich in jedem Land einzeln zu registrieren, kannst du das OSS-Verfahren nutzen und alles gebündelt über das Bundeszentralamt für Steuern melden.

Das betrifft auch Kleinunternehmer. Die Befreiung nach § 19 UStG gilt für Deutschland — sie hebelt die Regeln des Ziellandes nicht aus.

Was du danach brauchst

Nach der Anmeldung schickt dir das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Dort entscheidest du über die Kleinunternehmerregelung und bekommst deine Steuernummer. Für den Shop brauchst du außerdem ein vollständiges Impressum, eine Datenschutzerklärung und eine Widerrufsbelehrung.

Zum Widerrufsrecht kursiert ein hartnäckiger Irrtum: Weil erst nach Bestellung produziert wird, glauben viele, sie müssten keine Rücknahme anbieten. Das gilt nur bei echter Individualisierung — etwa wenn der Kunde ein eigenes Foto hochlädt. Wählt er dagegen aus deinen Motiven, Farben und Größen, besteht das Widerrufsrecht ganz normal. Wer es pauschal ausschließt, riskiert eine Abmahnung.

Wie sich das alles auf deine Kalkulation auswirkt, rechnen wir unter Kosten und Marge bei Print on Demand durch.

Die Gewerbeanmeldung ist der einfachste Teil. Teuer wird es, wenn man die Umsatzsteuer erst nach dem ersten guten Monat versteht.

Miro Flemke, Geschäftsführer · Shop & Marketing, Flemke & Pätkau

Häufige Fragen

Ab wann brauche ich ein Gewerbe?

Ab dem ersten Verkauf mit Gewinnerzielungsabsicht. Es gibt keine Umsatzgrenze, unterhalb derer du anmeldefrei verkaufen darfst — die Kleinunternehmerregelung betrifft nur die Umsatzsteuer, nicht die Anmeldepflicht.

Einzelunternehmen oder GmbH?

Für den Start reicht das Einzelunternehmen. Es kostet nichts außer der Gewerbeanmeldung, braucht kein Stammkapital und keinen Notar. Eine GmbH wird erst interessant, wenn Haftung oder Steuerlast es rechtfertigen.

Was passiert, wenn ich die 100.000 Euro überschreite?

Seit 2025 endet der Kleinunternehmerstatus sofort mit dem Umsatz, der die Grenze überschreitet — nicht erst zum Jahresende. Ab diesem Geschäft musst du Umsatzsteuer ausweisen.

Muss ich mich beim Finanzamt separat melden?

Das Gewerbeamt informiert das Finanzamt automatisch. Du bekommst dann den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, in dem du dich auch für oder gegen die Kleinunternehmerregelung entscheidest.

Geschrieben von

Miro Flemke

Miro Flemke

Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau

Baut seit Jahren Print-on-Demand-Shops und Modemarken auf und verantwortet bei Flemke & Pätkau Shop-Aufbau und Marketing.

Mehr über Miro

Weitere Seiten in diesem Thema

Bereit für den ersten Schritt?

Der komplette Print on Demand Kurs ist kostenfrei — Kursplan, Vorlagen und ein Lernstand, der geräteübergreifend mitläuft.

Kostenfrei starten