Kosten und Marge bei Print on Demand
Was pro Bestellung wirklich übrig bleibt — und warum das zweite Shirt alles verändert.
Von Miro Flemke, Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau
Aktualisiert am 02. September 2026 · 3 Min. Lesezeit
Bei einem T-Shirt für 35,95 Euro bleiben nach Produktion, Gebühren, Umsatzsteuer und Werbung rund 14 Euro Deckungsbeitrag — davon gehen noch Fixkosten, Ausschuss und Steuern ab, sodass unterm Strich 20 bis 30 Prozent realistisch sind. Der größte Hebel ist der Warenkorb: Ein zweites Shirt in derselben Bestellung verdoppelt den Gewinn, weil Werbekosten nur einmal anfallen.

Warum die einfache Rechnung nicht stimmt
Die Verlockung ist offensichtlich: Ein Shirt kostet dich rund 8 Euro, du verkaufst es für 35,95 Euro, macht 28 Euro Gewinn. So rechnet fast jeder Einsteiger — und wundert sich nach dem ersten Monat über den Kontostand.
Was fehlt, sind vier Posten: Umsatzsteuer, Versand, Zahlungsgebühren und Werbung. Zusammen fressen sie mehr als die Hälfte der vermeintlichen Spanne.
Die vollständige Rechnung für eine Einzelbestellung
Ein T-Shirt mit einseitigem Druck, verkauft an einen Privatkunden in Deutschland. Der Warenkorb liegt unter dem Versandkostenfrei-Schwellenwert, der Kunde zahlt den Versand also selbst — er ist damit ein durchlaufender Posten und keine Kostenposition.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis (brutto) | 35,95 € |
| ./. Umsatzsteuer 19 % | − 5,74 € |
| Nettoerlös | 30,21 € |
| ./. Produktion | − 8,00 € |
| ./. Zahlungsgebühr (rund 2–3 %) | − 0,90 € |
| Deckungsbeitrag | 21,31 € |
| ./. Werbung pro Bestellung | − 7,00 € |
| Gewinn vor Fixkosten | 14,31 € |
Das sind rund 40 Prozent — aber eben vor Fixkosten. Shop-Abo, Software, Ausschuss und am Ende die Steuer auf den Gewinn gehen noch ab. Unterm Strich bleiben realistisch 20 bis 30 Prozent, und bei höherem Werbebudget schnell weniger.
Als Kleinunternehmer entfällt die Umsatzsteuerzeile, dafür bekommst du auf deine Ausgaben keine Vorsteuer zurück.
Der Hebel: das zweite Shirt
Jetzt dieselbe Rechnung mit zwei Shirts. Zwei Dinge ändern sich: Die Bestellung überschreitet den Versandkostenfrei-Schwellenwert, du übernimmst den Versand also selbst — und die Werbekosten fallen weiterhin nur einmal an.
| Posten | 1 Shirt | 2 Shirts |
|---|---|---|
| Verkaufspreis (brutto) | 35,95 € | 71,90 € |
| ./. Umsatzsteuer 19 % | − 5,74 € | − 11,48 € |
| ./. Produktion | − 8,00 € | − 16,00 € |
| ./. Versand | zahlt der Kunde | − 4,00 € |
| ./. Zahlungsgebühr | − 0,90 € | − 1,80 € |
| ./. Werbung pro Bestellung | − 7,00 € | − 7,00 € |
| Gewinn vor Fixkosten | 14,31 € | 31,62 € |
| Marge | 40 % | 44 % |
Die Marge steigt nur leicht — der Gewinn pro Bestellung verdoppelt sich aber, obwohl du den Versand jetzt selbst trägst. Genau deshalb ist der Schwellenwert kein Verlustgeschäft: Er kostet dich 4 Euro und bringt dir das Doppelte.
Der durchschnittliche Bestellwert ist damit die wichtigste Kennzahl im Print on Demand — wichtiger als der Einkaufspreis und wichtiger als die Zahl der Besucher.
Die drei Stellschrauben
Den Warenkorb vergrößern
Der wirksamste Einzelhebel ist der Versandkostenfrei-Schwellenwert knapp über dem Einzelpreis: Wer für 35,95 Euro ein Shirt im Korb hat und ab 50 Euro versandkostenfrei bekommt, legt oft ein zweites dazu. Dazu kommen passende Zweitmotive, Sets und Mengenrabatte ab zwei Artikeln — alles zahlt direkt auf die Marge ein.
Höher verkaufen statt mehr verkaufen
Weil die Stückkosten fix sind, landet fast jeder zusätzliche Euro im Verkaufspreis im Gewinn. Das funktioniert nur in einer Nische, in der nicht über den Preis verglichen wird — bei einem generischen Spruchshirt schlägt dich der nächste Anbieter mit 19,90 Euro.
Werbekosten pro Bestellung im Blick behalten
5 bis 10 Euro pro Bestellung sind realistisch. Bei einer Einzelbestellung ist das schon ein Drittel deines Deckungsbeitrags. Steigt der Betrag, ohne dass der Warenkorb mitwächst, kippt die Rechnung schnell.
Was die Rechnung noch nicht enthält
Fixkosten. Shop-Abo, Designsoftware, gegebenenfalls Buchhaltung. Sie sind unabhängig von der Zahl der Verkäufe und drücken die Marge, solange die Stückzahl klein ist — sie sind der Hauptgrund, warum aus 40 Prozent Deckungsbeitrag am Ende 20 bis 30 Prozent werden.
Ausschuss und Reklamationen. Druckfehler und Transportschäden gehen zu deinen Lasten. Rechne mit einem kleinen, aber nicht mit null.
Deine Zeit. Design, Produktpflege, Kundenkommunikation — in keiner der Zahlen oben enthalten.
Die Konsequenz für deinen Start
Rechne mit Werbekosten und mit Versand, bevor du den Preis festlegst. Und optimiere zuerst den Warenkorb, nicht den Einkauf: Das zweite Shirt in derselben Bestellung bringt dir mehr als jeder Anbieterwechsel.
Ob das Modell überhaupt zu deiner Situation passt, klärt Passt Print on Demand zu mir?.
Mit deinen eigenen Zahlen rechnen
Die Tabellen oben stehen auf unseren Werten. Wenn dein Verkaufspreis, deine Produktion oder dein Werbebudget anders aussehen, rechne es im Print-on-Demand-Rechner direkt durch — inklusive Warenkorbgröße, Versandschwelle und Zielland.
„Der Versandkostenfrei-Schwellenwert ist kein Geschenk an den Kunden. Er ist das wirksamste Werkzeug für einen höheren Warenkorb.“
Häufige Fragen
Welche Marge ist bei Print on Demand realistisch?
Der Deckungsbeitrag liegt bei rund 40 Prozent. Davon gehen noch Fixkosten, Ausschuss und Steuern ab — unterm Strich sind 20 bis 30 Prozent realistisch. Wer deutlich mehr verspricht, rechnet ohne Werbung.
Wer zahlt den Versand?
Das entscheidest du. Üblich ist ein Schwellenwert: unter einem bestimmten Warenkorbwert zahlt der Kunde, darüber übernimmst du ihn. Genau dieser Schwellenwert ist der wirksamste Hebel für einen höheren Warenkorb.
Wie hoch sind die Werbekosten pro Verkauf?
Realistisch 5 bis 10 Euro pro Bestellung — nicht pro Artikel. Auch dieser Betrag verteilt sich also auf alles, was im Warenkorb liegt.
Lohnt sich ein höherer Verkaufspreis?
Ja, sehr. Weil die Stückkosten fix sind, wirkt fast jeder zusätzliche Euro im Verkaufspreis direkt auf den Gewinn. Voraussetzung ist eine Nische, in der nicht rein über den Preis verglichen wird.
Geschrieben von

Miro Flemke
Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau
Baut seit Jahren Print-on-Demand-Shops und Modemarken auf und verantwortet bei Flemke & Pätkau Shop-Aufbau und Marketing.
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