Kosten und Marge bei Print on Demand
Was pro Bestellung wirklich übrig bleibt — und warum das zweite Shirt alles verändert.
Von Miro Flemke, Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau
Aktualisiert am 02. September 2026 · 2 Min. Lesezeit
Bei einem T-Shirt für 35,95 Euro bleiben nach Produktion, Versand, Gebühren, Umsatzsteuer und Werbung rund 10 Euro übrig — etwa 29 Prozent. Kommt ein zweites Shirt in dieselbe Bestellung, steigt die Marge auf über 40 Prozent, weil Versand und Werbekosten nur einmal anfallen. Der Warenkorb entscheidet über die Marge, nicht der Einkaufspreis.

Warum die einfache Rechnung nicht stimmt
Die Verlockung ist offensichtlich: Ein Shirt kostet dich rund 8 Euro, du verkaufst es für 35,95 Euro, macht 28 Euro Gewinn. So rechnet fast jeder Einsteiger — und wundert sich nach dem ersten Monat über den Kontostand.
Was fehlt, sind vier Posten: Umsatzsteuer, Versand, Zahlungsgebühren und Werbung. Zusammen fressen sie mehr als die Hälfte der vermeintlichen Spanne.
Die vollständige Rechnung für eine Einzelbestellung
Ein T-Shirt mit einseitigem Druck, verkauft an einen Privatkunden in Deutschland.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Verkaufspreis (brutto) | 35,95 € |
| ./. Umsatzsteuer 19 % | − 5,74 € |
| Nettoerlös | 30,21 € |
| ./. Produktion | − 8,00 € |
| ./. Versand | − 4,00 € |
| ./. Zahlungsgebühr (rund 2–3 %) | − 0,90 € |
| Deckungsbeitrag | 17,31 € |
| ./. Werbung pro Bestellung | − 7,00 € |
| Gewinn | 10,31 € |
Das sind 29 Prozent vom Verkaufspreis — nicht die 28 Euro, die die reine Differenz suggeriert. Je nach Werbebudget landest du zwischen 20 und 34 Prozent.
Als Kleinunternehmer entfällt die Umsatzsteuerzeile, dafür bekommst du auf deine Ausgaben keine Vorsteuer zurück.
Der Hebel: das zweite Shirt
Jetzt dieselbe Rechnung mit zwei Shirts in einer Bestellung. Der entscheidende Punkt: Versand und Werbekosten fallen nur einmal an.
| Posten | 1 Shirt | 2 Shirts |
|---|---|---|
| Verkaufspreis (brutto) | 35,95 € | 71,90 € |
| ./. Umsatzsteuer 19 % | − 5,74 € | − 11,48 € |
| ./. Produktion | − 8,00 € | − 16,00 € |
| ./. Versand | − 4,00 € | − 4,00 € |
| ./. Zahlungsgebühr | − 0,90 € | − 1,80 € |
| ./. Werbung pro Bestellung | − 7,00 € | − 7,00 € |
| Gewinn | 10,31 € | 31,62 € |
| Marge | 29 % | 44 % |
Der Umsatz verdoppelt sich, der Gewinn verdreifacht sich. Der Einkaufspreis hat sich dabei um keinen Cent verändert.
Deshalb ist der durchschnittliche Bestellwert die wichtigste Kennzahl im Print on Demand — wichtiger als der Einkauf, wichtiger als die Zahl der Besucher.
Die drei Stellschrauben
Den Warenkorb vergrößern
Alles, was ein zweites Produkt in dieselbe Bestellung bringt, wirkt direkt auf die Marge: passende Zweitmotive, Sets, ein Mengenrabatt ab zwei Artikeln, ein Versandkostenfrei-Schwellenwert knapp über dem Einzelpreis.
Höher verkaufen statt mehr verkaufen
Weil die Stückkosten fix sind, landet fast jeder zusätzliche Euro im Verkaufspreis im Gewinn. Das funktioniert nur in einer Nische, in der nicht über den Preis verglichen wird — bei einem generischen Spruchshirt schlägt dich der nächste Anbieter mit 19,90 Euro.
Werbekosten pro Bestellung im Blick behalten
5 bis 10 Euro pro Bestellung sind realistisch. Bei einer Einzelbestellung ist das schon ein Drittel deines Deckungsbeitrags. Steigt der Betrag, ohne dass der Warenkorb mitwächst, kippt die Rechnung schnell.
Was die Rechnung noch nicht enthält
Fixkosten. Shop-Abo, Designsoftware, gegebenenfalls Buchhaltung. Sie sind unabhängig von der Zahl der Verkäufe und drücken die Marge, solange die Stückzahl klein ist.
Ausschuss und Reklamationen. Druckfehler und Transportschäden gehen zu deinen Lasten. Rechne mit einem kleinen, aber nicht mit null.
Deine Zeit. Design, Produktpflege, Kundenkommunikation — in keiner der Zahlen oben enthalten.
Die Konsequenz für deinen Start
Rechne mit Werbekosten und mit Versand, bevor du den Preis festlegst. Und optimiere zuerst den Warenkorb, nicht den Einkauf: Das zweite Shirt in derselben Bestellung bringt dir mehr als jeder Anbieterwechsel.
Ob das Modell überhaupt zu deiner Situation passt, klärt Passt Print on Demand zu mir?.
„Der Unterschied zwischen 29 und 44 Prozent Marge ist nicht der Einkauf. Es ist das zweite Shirt im Warenkorb.“
Häufige Fragen
Welche Marge ist bei Print on Demand realistisch?
Bei einer Einzelbestellung landen nach allen Kosten inklusive Werbung realistisch 20 bis 30 Prozent. Wer den Warenkorb auf zwei Artikel bringt, kommt auf über 40 Prozent — bei identischem Einkaufspreis.
Warum ist der Versand so entscheidend?
Weil er pro Bestellung anfällt, nicht pro Artikel. Bei einem Einzelshirt sind es rund 11 Prozent des Verkaufspreises, bei zwei Artikeln nur noch die Hälfte davon.
Wie hoch sind die Werbekosten pro Verkauf?
Realistisch 5 bis 10 Euro pro Bestellung — nicht pro Artikel. Auch dieser Betrag verteilt sich also auf alles, was im Warenkorb liegt.
Lohnt sich ein höherer Verkaufspreis?
Ja, sehr. Weil die Stückkosten fix sind, wirkt fast jeder zusätzliche Euro im Verkaufspreis direkt auf den Gewinn. Voraussetzung ist eine Nische, in der nicht rein über den Preis verglichen wird.
Geschrieben von

Miro Flemke
Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau
Baut seit Jahren Print-on-Demand-Shops und Modemarken auf und verantwortet bei Flemke & Pätkau Shop-Aufbau und Marketing.
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