Steuern und Marge bei Print on Demand in Österreich

Die Grenze ist mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Ob du sie nutzen solltest, ist trotzdem keine ausgemachte Sache.

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Miro Flemke

Von Miro Flemke, Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau

Aktualisiert am 02. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

In Österreich gilt der Normalsatz von 20 Prozent Umsatzsteuer, ein Prozentpunkt mehr als in Deutschland. Bis 55.000 Euro Bruttoumsatz kannst du die Kleinunternehmerregelung nutzen und gar keine Umsatzsteuer ausweisen. Bei einem Verkaufspreis von 35,95 Euro bleiben umsatzsteuerpflichtig rund 14 Euro Gewinn pro Einzelbestellung vor Fixkosten — etwa 25 Cent weniger als in Deutschland.

Steuern und Marge bei Print on Demand in Österreich

Steuern und Marge bei Print on Demand in Österreich

Zwei Zahlen bestimmen die Steuerseite: 20 Prozent Umsatzsteuer und 55.000 Euro Kleinunternehmergrenze. Die erste kostet dich etwas gegenüber Deutschland, die zweite verschafft dir Luft.

Die Marge, durchgerechnet

Wir rechnen mit denselben Werten wie im deutschen Kostenartikel: 8 Euro Produktion, 35,95 Euro Verkaufspreis, 5 bis 10 Euro Werbung pro Bestellung. Der Verkaufspreis bleibt derselbe wie in Deutschland — üblich ist ein einheitlicher Bruttopreis im DACH-Shop, die höhere Steuer trägt also der Händler.

Eine Bestellung, ein Shirt:

Verkaufspreis (brutto)35,95 €
./. Umsatzsteuer 20 %− 5,99 €
Nettoerlös29,96 €
./. Produktion− 8,00 €
./. Zahlungsgebühr (rund 2–3 %)− 0,90 €
Deckungsbeitrag21,06 €
./. Werbung pro Bestellung− 7,00 €
Gewinn vor Fixkosten14,06 €

Das sind rund 39 Prozent vom Verkaufspreis. Der Versand taucht nicht auf: Unter 50 Euro Warenkorbwert zahlt ihn der Kunde, er ist dort ein durchlaufender Posten.

Eine Bestellung, zwei Shirts — der übliche Fall, weil der Warenkorb selten bei einem bleibt:

Verkaufspreis (brutto)71,90 €
./. Umsatzsteuer 20 %− 11,98 €
Nettoerlös59,92 €
./. Produktion (2 ×)− 16,00 €
./. Versand (über 50 € versandkostenfrei)− 6,00 €
./. Zahlungsgebühr− 1,80 €
Deckungsbeitrag36,12 €
./. Werbung pro Bestellung− 7,00 €
Gewinn vor Fixkosten29,12 €

Der Gewinn pro Bestellung verdoppelt sich fast, weil die Werbung nur einmal anfällt. Genau wie in Deutschland gilt: Die Marge hängt am Warenkorb, nicht am Einkauf.

Der Vergleich zu Deutschland

ÖsterreichDeutschland
Ein Shirt14,06 € (39 %)14,31 € (40 %)
Zwei Shirts29,12 € (41 %)31,62 € (44 %)

Der Unterschied kommt aus zwei Quellen: einem Prozentpunkt mehr Umsatzsteuer und dem etwas teureren Versand. Bei zwei Shirts summiert sich das, weil dort beides zusammenfällt.

Das ist ein spürbarer, aber kein entscheidender Unterschied. Wer in Österreich verkauft, verdient etwas weniger pro Bestellung — nicht so wenig, dass sich das Modell ändert.

Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung?

Bis 55.000 Euro brutto kannst du die Kleinunternehmerregelung nutzen: keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen, keine Voranmeldungen. Die Grenze liegt weit über der deutschen von 25.000 Euro netto, und es gibt eine Toleranz von zehn Prozent bis 60.500 Euro.

Die naheliegende Rechnung — „ich behalte 20 Prozent mehr" — geht allerdings nicht auf. Ohne Umsatzsteuer gibt es keinen Vorsteuerabzug. Du zahlst also auf Produktion, Werbung, Shop-Software und jedes Werkzeug die volle Steuer, ohne sie zurückzuholen.

Bei Print on Demand ist genau das teuer, weil der Wareneinsatz hoch ist: Rund 15 Euro Vorleistungen pro Bestellung stehen den knapp 6 Euro Umsatzsteuer gegenüber, die du behalten würdest.

Ein Sonderfall verschärft das: Werbung bei Meta oder Google wird aus dem EU-Ausland abgerechnet und geht ins Reverse-Charge-Verfahren. Die Steuer schuldest du dann selbst — als Kleinunternehmer, ohne sie abziehen zu können.

Faustregel: Im echten Nebenerwerb mit wenigen Bestellungen und ohne bezahlte Werbung ist die Regelung praktisch. Sobald du Werbung schaltest und wachsen willst, ist der Verzicht darauf meist die bessere Wahl. Der Verzicht bindet dich allerdings für fünf Jahre — das ist keine Entscheidung für nebenbei.

Verkauf nach Deutschland

Österreich ist EU-Binnenmarkt: kein Zoll, keine Ausfuhr, keine Einfuhrsteuer beim Kunden. Der Unterschied zur Schweiz könnte kaum größer sein.

Bis 10.000 Euro Jahresumsatz mit Privatkunden in anderen EU-Ländern rechnest du weiter mit österreichischer Umsatzsteuer ab. Darüber gilt die Steuer des Ziellandes — bei deutschen Kunden also 19 Prozent. Gemeldet wird das über das OSS-Verfahren: eine Erklärung, ein Portal, keine Registrierung in Deutschland.

Kurioserweise verdienst du an einer deutschen Bestellung dadurch etwas mehr als an einer österreichischen — 19 statt 20 Prozent Steuer bei gleichem Bruttopreis.

Was noch dazukommt

Umsatzsteuer ist nicht die einzige Abgabe. Auf den Gewinn kommt die Einkommensteuer, und die SVS-Beiträge laufen unabhängig davon. Die 39 Prozent oben sind der Gewinn vor all dem.

Realistisch bleiben nach Fixkosten, Ausschuss und Steuern 20 bis 30 Prozent übrig. Das ist immer noch ein gutes Geschäft — aber es ist nicht die Zahl, mit der du planen solltest.

Die Kleinunternehmerregelung klingt nach zwanzig Prozent mehr. Am Ende sind es deutlich weniger, weil du die Vorsteuer verlierst.

Miro Flemke, Geschäftsführer · Shop & Marketing, Flemke & Pätkau

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Umsatzsteuer in Österreich?

Der Normalsatz liegt bei 20 Prozent. Bedruckte Textilien fallen darunter — der ermäßigte Satz gilt für sie nicht.

Bis zu welchem Umsatz bin ich Kleinunternehmer?

Bis 55.000 Euro brutto im Kalenderjahr. Überschreitest du die Grenze um höchstens zehn Prozent, also bis 60.500 Euro, bleibt die Befreiung bis zum Jahresende bestehen und entfällt erst im Folgejahr.

Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung bei Print on Demand?

Nicht automatisch. Du behältst zwar die Umsatzsteuer, verlierst aber den Vorsteuerabzug auf Produktion, Werbung und Software. Weil der Wareneinsatz bei Print on Demand hoch ist, schrumpft der Vorteil deutlich.

Was gilt, wenn ich nach Deutschland verkaufe?

Bis 10.000 Euro Jahresumsatz mit Privatkunden in anderen EU-Ländern rechnest du weiter mit österreichischer Umsatzsteuer ab. Darüber schuldest du die Steuer des Ziellandes und meldest sie über das OSS-Verfahren.

Geschrieben von

Miro Flemke

Miro Flemke

Geschäftsführer · Shop & Marketing · Flemke & Pätkau

Baut seit Jahren Print-on-Demand-Shops und Modemarken auf und verantwortet bei Flemke & Pätkau Shop-Aufbau und Marketing.

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